Wie erkläre ich es meinem Kind Tod und Trauer?

Leben und Tod hängen eng zusammen, ohne das eine gibt es das andere nicht. Dennoch sind es keine Themen, über die wir gerne sprechen, schon gar nicht mit unseren Kindern. Doch warum ist das eigentlich so und welche Worte helfen unseren Kindern am besten, Tod und Trauer zu verstehen und zu verarbeiten?

Wenn ein Kind trauert - so erklären Sie ihm Tod & Trauer

Wenn ein Kind trauert – so erklären Sie ihm Tod & Trauer

Warum sprechen wir mit unseren Kindern nicht gerne über den Tod?

Die Scheu davor, mit Kindern über das Thema Sterben und Tod zu sprechen, hat unterschiedliche Gründe. Einerseits fällt es auch vielen Erwachsenen schwer, an die eigene Sterblichkeit erinnert zu werden, sie verdrängen dieses Thema lieber. Auch ist es häufig so, dass sie selbst schon geliebte Menschen verloren und diese Tatsache noch nicht verarbeitet haben. Andererseits möchten Eltern auch ihre Kinder beschützen, ihnen eine „heile Welt“ bewahren. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil, es ist eine wichtige elterliche Aufgabe, Kinder zu stärken, ihnen Schutz zu bieten. Dennoch: Auch Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen und sich mit unangenehmen Themen auseinandersetzen. Und selbst die kleinsten und jüngsten Kinder werden nun einmal mit dem Sterben konfrontiert, sei es, weil ein Familienmitglied verstirbt oder weil sie es innerhalb ihres sozialen Umfeldes mitbekommen. Sprechen Eltern dann nicht mit ihnen darüber, nehmen sie ihnen die Möglichkeit:

  • eigene Fragen zu stellen » was zu Unsicherheit und Angst, im schlimmsten Falle zu einer regelrechten Panik vor dem Tod führen kann,
  • sich selbst einzubringen innerhalb des familiären Kontextes » was ihnen das Gefühl vermitteln kann, kein wichtiger vollständiger Teil der Familie zu sein,
  • kindgerecht zu trauern!

 

Bevor man darüber spricht, muss man selbst den Tod „verstehen“ lernen

Mit einem Kind über den Tod zu sprechen, funktioniert auf anderen Wegen als mit einem Erwachsenen. Kinder haben meist die Endgültigkeit, Unvermeidbarkeit und Unvorhersehbarkeit des Todes noch nicht begriffen. Auch ist es wichtig, sensibel dafür zu sein, wie viel das jeweilige Kind überhaupt schon verstehen kann. Ein 3-jähriges Kind begreift seine Welt ganz anders als ein 6-jähriges!

 

Kinder von 3 bis 6 Jahren begreifen den Tod noch nicht als etwas Endgültiges

Kinder haben zunächst gar kein „reales“ Konzept vom Tod. Im Alter von 3-6 Jahren etwa ist für sie alles „tot“, was nicht mehr funktioniert. Ein Spielzeugauto, dessen Räder weggebrochen sind, fährt nicht mehr und ist somit tot. Der Tod hat in diesem Verständnis nichts Endgültiges, denn das Auto kann repariert und wieder zum Fahren gebracht werden. Stirbt aber die Oma, der Papa, die Schwester ist das endgültig und das kommt im Denken eines Kindes unter 6 Jahren nicht vor.

Ein 5-jähriges Kind, das nicht anfängt zu weinen, weil die Mutter plötzlich verstorben ist, ist nicht unsensibel oder „krank“, es zeigt einfach eine altersspezifisch völlig normale „Nicht-Reaktion“. Kinder in diesem Alter weinen durch „Gefühlsansteckung“ – also, wenn sie bspw. sehen, dass bei dieser Nachricht der Vater, die Geschwister etc. weinen – und nicht, weil sie verstehen, was der Tod für eine Bedeutung hat. Ein Kleinkind würde in dieser Situation vielleicht fragen, ob die Mutter denn zum nächsten Geburtstag wieder nach Hause komme, da dies ja ein wichtiger Tag sei. Auch beim Gang über den Friedhof werden 3- bis 6-jährige Kinder keine Befangenheit oder Traurigkeit zeigen. Sie fragen sich vielleicht eher, was die Verstorbenen in den Gräbern den ganzen Tag „da unten“ machen, ob das denn nicht langweilig werde etc.
Diese altersspezifischen Verhaltensweisen müssen Eltern richtig einordnen können, sie dürfen sie nicht verunsichern oder irritieren, wenn sie in einer kindgerechten Sprache über den Tod sprechen wollen.

 

Kinder von 6 bis 9 Jahren fangen an, Zeitspannen und Vergänglichkeit einzuordnen

Kinder ab ca. 6 Jahren fangen langsam an, über Zeit nachzudenken und diese auch einschätzen zu lernen. Sie beginnen auch ein Verständnis von „Endgültigkeit“ zu entwickeln, akzeptieren dies aber noch nicht unbedingt. Sie verleugnen die Allgemeingültigkeit des Todes: Sterben müssen nur alte oder böse Menschen, so wie sie es aus ihren Kindermärchen und Geschichten kennen. Alles andere hat in ihrem Denken keinen Platz. Sie glauben in diesem Alter noch nicht, dass sie selbst sterben müssen. Dass der Tod aber jederzeit eintreten kann, egal wie krank oder gesund, wie jung oder alt ein Mensch ist, ist schwer zu begreifen. Darüber hinaus finden sie die Beschäftigung mit dem Tod häufig unheimlich, unerträglich, gruselig. Die Vorstellung, dass es nach dem Tod nichts mehr gibt, wird abgelöst durch eine Vorstellung vom „Weiterleben“ im Himmel, Paradies etc.

 

Wenn Kinder trauern - so hilft die Familie

Wenn Kinder trauern – so hilft die Familie

Sprechen ist also wichtig – auf jeden Fall kindgerecht, doch was bedeutet das?

Kinder brauchen Informationen über den Tod. Sätze wie „Das verstehst du noch nicht“ oder „Dafür bist du einfach noch zu klein“ sollte man also ganz schnell aus seinem Wortschatz streichen. Damit Kinder begreifen lernen, was beim Sterben passiert, müssen Eltern/enge Bezugspersonen mit ihnen sprechen und dabei die Altersstufen bzw. die kognitiven Fähigkeiten des Kindes miteinbeziehen:

  • Einfach, kurz und klar » Wichtig ist es, alle Fragen des Kindes zuzulassen, ihnen nicht auszuweichen und Antworten und Erklärungen kurz und einfach zu halten. Lange Ausführungen können Kinder (noch) nicht begreifen, sie verunsichern sie eher. „Deine Oma war alt und sie konnte nicht mehr gut laufen, ihr Körper hat nicht mehr funktioniert.“ So etwas verstehen schon sehr junge Kinder, mehr braucht es nicht.
  • Authentisch, aufrichtig und ehrlich » Trauern ist ein wichtiger Verarbeitungsprozess, für Erwachsene und Kinder. Die eigene Trauer zu verstecken, bringt nichts, im Gegenteil. Ein Kind merkt so etwas und ist verunsichert, weiß die unterdrückten Emotionen nicht einzuordnen. Auch Euphemismen sind kontraproduktiv. Die verstorbene Oma ist nicht „entschlafen“ oder „von uns gegangen“, sie ist tot. Beschönigende Umschreibungen könnte ein Kind falsch verstehen und sich ängstigen, wenn Mama und Papa das nächste Mal „fortgehen“, um zur Arbeit zu fahren oder wenn es am Abend ins Bett gehen und „einschlafen“ soll.
  • Sicherheit geben durch Rituale » Kinder nehmen ihre Welt noch sehr auf sich selbst fokussiert wahr, sie beziehen daher alles schnell auf sich und gerade etwas ältere Kinder können der Angst erliegen, dass sie selbst etwas „falsch“ gemacht haben und deshalb die Oma, der Opa, ein Elternteil etc. verstorben ist. Wichtig ist, dem Kind deutlich zu machen, dass das nicht stimmt. Rituale sowie ein geregelter „ganz normaler“ Tagesablauf helfen dem Kind darüber hinaus, an Sicherheit zu gewinnen und zum Alltag zurückzukehren.
  • Den eigenen Glauben erklären, aber dabei allgemein bleiben » Eltern, die fest an ein Leben nach dem Tod glauben, haben es oft leichter, ihrem Kind zu erklären, warum jemand sterben musste und was nun mit ihm/ihr passiert. Totengedenktage wie Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag können ein guter Anlass sein, mit einem Kleinkind den Friedhof zu besuchen und die Rituale, die an diesen Tagen begangen werden, zu erklären. Auch Beerdigungen können dafür eine gute Gelegenheit sein. Sie sollten das Kind jedoch nicht überfordern. Besser geeignet ist meist ein Besuch des Grabmales einige Zeit nach der Bestattung. Dann findet man die Ruhe und Zeit, die Fragen des Kindes zu beantworten und ist selbst schon ein wenig gefestigter. Bei der Beschreibung des eigenen Glaubens sollten Eltern auf jeden Fall immer allgemein und positiv bleiben. Es ist nicht hilfreich, einem 3-jährigen Kind zu erklären, dass Gott die guten Menschen zu sich in den Himmel holt. Dies kann beim Kind die Angst auslösen, eben nicht „gut“ oder nicht „gut genug“ zu sein. Es beginnt sich vor dem Tod zu ängstigen. Besser ist es zu sagen, dass man froh darüber sei, zu wissen, dass der verstorbene Mensch nun bei Gott sei.
  • Ratlosigkeit zulassen » Es ist nicht schlimm, in einer Trauersituation nicht weiter zu wissen, selbst verzweifelt zu sein und auf etwaige Fragen eines kleinen Kindes eine Antwort schuldig zu bleiben. Manchmal hilft es, andere Familienangehörige um Hilfe zu bitten, vielleicht finden sie gute Erklärungen.
  • Abschiednahme und Trauer – Kinder können das » Kinder können und dürfen trauern. Sobald sie, je nach Alter, verstanden haben, was geschehen ist, dürfen sie ruhig traurig sein. Sie müssen keine „heile Welt“ vermittelt bekommen. Auch Kinder, die noch einmal von der verstorbenen Oma, dem verstorbenen Opa etc. Abschied nehmen möchten, können dies ruhig tun. Es schadet ihnen nicht, im Gegenteil! Gerade jüngere Kinder „suchen“ teilweise nach den Verstorbenen, wenn sie nicht die Gelegenheit hatten, sie noch einmal leblos (bspw. im offenen Sarg) zu sehen. Verspüren Kinder also den Wunsch danach, Abschied zu nehmen, sollte man diesem Wunsch ruhig nachkommen. Das zeigt ihnen Respekt und vermittelt ihnen die Sicherheit, dass sie selbst entscheiden dürfen, wie sie mit ihrer Trauer umgehen möchten. Dieser Vertrauensbeweis wird ihnen – gerade in dieser schwierigen Zeit – guttun.

 

Fazit

Kinder (auch kleine Kinder) können und „ertragen“ oft mehr, als man denkt. Sie dürfen und sollen den Tod verstehen lernen und nicht von diesem unangenehmen Thema verschont bleiben. Dennoch benötigt es einen sensiblen, kindgerechten Umgang damit und das Wissen um die Vorstellungen, die sich Kinder in den unterschiedlichen Altersstufen vom Tod machen. Letztendlich gilt: Ein offener, ehrlicher und respektvoller Umgang (mit sich selbst und dem Kind) ist der beste Weg, alles „richtig“ zu machen.

 

Bildquellen
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